Partnersuche Online ab 40 und die Probleme beim Internet-Dating.

Erfolgreich, Anspruchsvoll, vierzig und Einsam? Das muss nicht sein.Partnersuche Online ist effizient, schnell und unkompliziert. So suggeriert es die Hochglanz-Werbung, die uns mit süsser Hintergrundmusik hinterlegt Abend für Abend im Fernsehen vorgeführt wird.

Doch stimmt das alles wirklich? Sind wirklich mehr als 30% aller Singles nach dreimonatigem intensiven Katalog-Speed-Dating bereits wieder unter der Haube? Und was muss man (oder frau) tun um unter eben dieses glückliche Drittel zu kommen?

Schauen wir mal, wie sich die Situation in der für die Partnerbörsen immer relevanter werdende Zielgruppe ab 40 Jahren im Dating-Alltag so darstellt…

Einen kleinen Einblick in die „harte“ Realität des Dating-Lebens im Internet bieten einige Anbieter selbst.
Wenn man z.B. früher im „Dating-Cafe“ ganz unten auf der Seite auf dem Link zu „Unsere Preise“ klickte, stiess man erstaunt auf den folgenden Passus, der die Ökonomie der Partnersuche im reiferen Alter aus unternehmerischer Sicht auf den Punkt bringt:

Für Frauen bis zum 45. Lebensjahr und Männer, die eine Frau ab 45 Jahren suchen, ist die Teilnahme ebenfalls kostenlos.

Patsch! Das sitzt. Oder!?

Eine Partnerbörse, die ganz klar zum Ausdruck brachte, was effektiv gesucht wird und sich daher für den Betreiber rechnet: Jüngere Frauen um die Partnerwünsche der langsam in die besten Jahre kommenden Herren bedienen zu können!?

Wenn man sich nun in den Datenbanken der in Frage kommenden Singlebörsen umsieht, stellt man schnell fest: Die Altersgruppe der über vierzigjährigen Frauen ist signifikant vertreten, bildet vielfach sogar eine Mehrheit gegenüber dem jüngeren Klientel.


Was ist los?

In einem Artikel des „Bund“, einer Tageszeitung aus der Schweiz, fand ich unter anderem folgende Aussage einer partnersuchenden 38 jährigen Werbetexterin aus Zürich:

«Frauen in meinem Alter», sagt sie, «sind toxisch. Für Männer, die Kinder wollen, sind wir zu alt. Jene, die keine wollen, sehen zwar schon, dass man bei Kinderwunsch ‹Nein› angekreuzt hat, sind aber dennoch misstrauisch. Kreuzt man ‹Vielleicht› an, werden all jene abgeschreckt, die absolut keine Kinder oder keine Kinder mehr wollen.»

Kann sein, dass einige Männer bei der K-Frage instinktiv zurückschrecken, zumal es klar sein sollte, dass die biologische Uhr ab einem gewissen Alter schneller tickt. Aber ist das wirklich das „Killer-Kriterium“? Oder liegt der Hase grundlegend woanders im Pfeffer?

Ab 40 beginnt für viele Menschen, die sich bis dahin in einer sicheren Beziehung wähnten, ein neuer Lebensabschnitt: Nach einer Trennung wird man wieder ein Single. Und hat während der Beziehungsphase vielfach einfach verlernt mit dieser – nun wieder ungewohnten – Situation umzugehen.
Oder aber, man hat bis zu diesem Alter noch nie in einer „richtig festen“ Bindung gelebt und spürt plötzlich eine Art Torschluss-Panik: Allein alt zu werden ist für viele keine erstrebenswerte Zukunftsperspektive.

Aber warum ist es dann so schwer, ab einem gewissen Alter wieder in eine neue Partnerschaft zu finden? Genügend Singles sind ja auch „dem Markt“, daran sollte es doch nicht liegen?

Ich habe in den letzten Jahren sehr viel mit Online-Singles im entsprechenden Alter zu tun gehabt und dabei die Feststellung gemacht, dass besonders bei Frauen mit zunehmender Lebenserfahrung ein gewisses zementieren der eigenen Ansprüche an die Welt einsetzt: Nachdem die vorangegangenen Beziehungen gescheitert sind, werden mehr oder weniger unbewusst regelrechte Checklisten zusammengestellt, die der zukünftige Bewerber um den Platz im Herzen zu erfüllen hat. Kompromisse werden diesbezüglich nicht eingeplant und so werden Katalog-Datings durchgeführt, in denen potentielle neue Partner grade in der Anfangsphase kaum eine Chance haben, in das fein konstruierte Weltbild zu passen. Schliesslich sollen neue Enttäuschungen um jeden Preis vermieden werden.

Mit zunehmender Dauer der (Online-)Partnersuche wird der Prozess schliesslich immer verbitterter, bis es dann sogar zu Beschwerden beim Betreiber kommen kann, ob „man denn keine vernünftigen Männer hätte.“

Partnersuchende Frauen ab 40 finden vielfach schwerer einen neuen Partner, weil man mit der Zeit verlernt, unvoreingenommen und neugierig neue Bekanntschaften zu machen und das eigene Anspruchsdenken zu viel Raum fordert. Junge Singles gehen da ganz anders – und unter der Summe erfolgreicher – vor.

Männer über 40 haben, wenn sie einigermassen gut situiert und gesellschaftlich etabliert sind, kaum ein Problem, eine neue Partnerschaft einzugehen. Diese Männer sind begehrt, auch bei jüngeren Frauen um die 35. Kann man mit diesen Herren doch prima und sicher eine neue Familie gründen.

Nur gibt es diese Spezies wesentlich weniger häufig als in den Medien gern mal dargestellt wird!
Der Grossteil dieser „erfolgreichen Männer“ sind nämlich auf dem freien Singlemarkt nicht verfügbar. Entweder bleiben Sie in Ihrer Lebensbeziehung (Haus, Auto, Schulden, Kinder) und sind nur als „Abenteuer“ zu haben oder kommen erst gar nicht richtig auf den Markt, weil sie sich schon aus dem „Abenteuer“ heraus umorientieren.

Viel häufiger werden suchende Frauen mit dem Modell „geschiedener Vater mit Unterhaltsverpflichtung und Wochenend-Kind“ konfrontiert werden. Also meist genau das, was viele der Damen eigentlich nicht suchen: Ein solcher Mann hat noch Bindungen zu seinem vorherigen Leben und ist finanziell meist nur eingeengt handlungsfähig. Für eine neue Familie, ein neues Zusammenleben sind das nicht die meist gewünschten Voraussetzungen.

Oder Sie treffen auf den Mann, der noch nie eine richtige Beziehung hatte und bislang im übelsten Falle im Hotel Mama wohnte. Gibt es auch nicht so selten, wie man annimmt. Im Laufe der Jahre entwickeln so geprägte Singles für Ihre Mitmenschen mitunter durchaus gewöhnungsbedürftige Handlungsmuster und Weltanschauungen.

Wenn dann noch eine eventuelle Erwerbslosigkeit hinzukommt, haben wir die Mehrheit der männlichen Singles ab 40 sicherlich dargestellt.

Also am besten resignieren und Single bleiben?
Mitnichten! Der Weg aus der Ü40-Single Falle ist eigentlich gar nicht so schwierig: Hinterfragen Sie Ihre Erwartungshaltungen und brechen Sie mit eingefahrenen Verhaltensmustern. Gehen Sie neugierig auf Menschen zu und lernen Sie diese unvoreingenommen kennen – ohne den Hintergedanken einer eventuellen Liebesbeziehung.
Möglichkeiten bieten sich dazu genug – Nur ein bisschen weniger „Erwachsen“ sollte man sein.

Und was ist z.B. dagegen einzuwenden, auch mal einen Teilzeit-Vater kennenzulernen? Oder eine alleinerziehende Mutter? Natürlich muss man Kompromisse eingehen. Aber Kompromisse können durchaus auch auf das eigene Leben bereichernd wirken.

Was meinen Sie dazu?
Im Gegensatz zu vielen anderen „Single-Magazinen“ im Internet freue ich mich auf Ihre Meinung zu Thema! Schreiben Sie Ihren Standpunkt zu diesem Thema doch einfach weiter unten in das Kommentarfeld!

Und dann, wie immer zum Schluss, noch

Ein paar Tipps zum weitersurfen


Foto: © Pop Marius – Fotolia.com


Bereits ein Leser-Kommentar:

  1. Peter's Gravatar Peter
    16. März 2015 at 19:23 | Permalink

    Körperliche und Geistige Gewohnheiten tun sich im zunehmenden immer mehr verfestigen zementieren und verhärten. Das geht mit einem zunehmenden Verlust an Körperlicher und Geistiger Geschmeidigkeit einher. Bei dem einen oder anderen mehr oder weniger. Mit ihrer hohen Anspruchshaltung, stehen sich viele Leute leider selbst im Weg, und merken es nicht ein mal, und bleiben dann am Ende doch allein. Von daher sollte man die Hoffnung auf ein Gelingen bei der Partnersuche auf ein vernünftiges maß reduzieren. Das Erspart schmerzhafte Enttäuschungen.
    Gruß
    Peter

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